EN 5012x – Funktionale Sicherheit in der Bahnindustrie

Die Standards EN 50126, EN 50128 EN 50129 beschreiben die spezifischen Anforderungen an die Funktionale Sicherheit (FuSi) in der Bahnindustrie. Aufgrund ihrer großen Bedeutung für die Zulassung von Systemen in dieser Industrie, möchte ich diesen Beitrag nutzen, um die drei Standards in ihrer jeweiligen Bedeutung darzustellen. Sie implementieren die IEC 61508 für diese Branche, wobei der übergeordnete gesetzliche Rahmen für die Einhaltung der Funktionalen Sicherheit in allen Branchen weiterhin durch das Produkthaftungsgesetzt gebildet wird.

 

 

Hintergrund

 

Bevor ein System in der Bahnindustrie in den Verkehr gebracht werden darf, ist nachzuweisen, dass die Anforderungen der Funktionalen Sicherheit erfüllt sind. Dieser Nachweis muss gegenüber einer staatlichen Behörde, dem Eisenbahnbundesamt, gebracht werden. Daraus ergeben sich einige Unterschiede bei der Implementierung der Norm im Vergleich z.B. zur Automobilbranche, bei der die Einhaltung der Kriterien kein integraler Bestandteil der Homologation des Autos ist. Das nachfolgende Diagramm zeigt zunächst eine Übersicht über den Inhalt der drei Sicherheitsnormen:

 

 

 

Die EN 50126 definiert alle Anforderungen zu den durchzuführenden Analysen zur Erreichung der RAMS (Reliability, Availabilitly, Maintenance, Safety). Sie betrachtet das Gesamtsystem, also das gesamte Produkt, das in den Verkehr gebracht werden soll. Davon ausgehend werden verschiedene systematische Analysen durchgeführt, um Gefahren und Risiken für die Funktionale Sicherheit zu entdecken. Anschließend werden  in einem zweiten Schritt  Gegenmaßnahmen (konstruktiv, organisatorisch und entwicklungsbezogen) identifiziert, die dann in Form von Requirements in den Entwicklungsprozess eingehen.

 

Die EN 50128 hingegen definiert die Anforderungen an Software, die in elektronischen Bahnanwendungen verbaut werden soll. Als Softwareentwicklungsprozess hat die Norm grundsätzlich das V-Modell vor Augen. Allerdings gewährt die Norm eigentlich genügend Flexibilität um z.B. auch agile Ansätze in der Entwicklung zum Einsatz zu bringen. Dies ist auch anderen FuSi-Normen sehr ähnlich, wobei die EN 50128 detailliertere und höhere Anforderungen an die einzelnen Rollen im Entwicklungsprozess als dies meisten anderen FuSi-Normen hat. Dies hat den Vorteil, dass man gezwungen ist, sich klare Gedanken zum Entwicklungsprojekt zu machen - vor allem im Hinblick darauf, welche Teammitglieder geeignet sind, EN 50128 Projekte durchzuführen. Ein Nachteil ist dadurch aus meiner Sicht aber die erschwerte Anwendung von z.B. agilen Methoden. Die Balance ist hierbei in anderen Normen besser gelungen.

 

Die EN 50129 schließlich bezieht sich auf die Sicherheitsaspekte einzelner Teilsysteme und das Eisenbahnsignalsystem. Sie fasst im Prinzip die Anforderungen an die Sicherheit über den gesamten Lebenszyklus zusammen.

 

 

Fazit

 

Die EN 5012xstellt als spezifische Normenreihe für die Bahnindustrie grundsätzlich ähnliche Anforderungen an sicherheitskritische Software und Systeme wie andere, vergleichbare Funktionale Sicherheitsnormen. Ihre Einhaltung hat einen nachhaltigen Einfluss auf die Vorgehensweise bei der Produktentwicklung, auf den sich vor allem Neu-Einsteiger bewusst einstellen müssen. Insbesondere der Entwicklungsprozess von Software wird stark von der EN 50128 beeinflusst.

 

Es gibt viele Wege die Normen zu erfüllen – effiziente und ineffiziente. Die effiziente Umsetzung kann man lernen: Denn einen angemessenen Weg zu finden ist hier tatsächlich zu allererst eine Frage der Erfahrung!

 

Ich freue mich über einen interessanten Austausch zu dieser Thematik und stehe für Fragen gerne zur Verfügung. Senden Sie einfach eine Mail an info@heicon-ulm.de.

 

 

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